Röhrl-Salat – Spermidin-reicher Löwenzahnsalat

Der Frühling ist da!

Endlich, es beginnt wieder zu grünen, und tatsächlich kann man auch schon den ersten Salat auf der Wiese finden. Ganz gierig sind wir um diese Zeit auf die selbst geernteten grünen Blätter. Als Salat oder Gemüse schmeckt Löwenzahn (Rerl oder Röhrl) einfach köstlich. Bei uns zu Hause war das immer ein typisches Karfreitags-Essen. Und spätesten nach den Osterfeiertagen mit dem vielen Fleisch haben wir nach einem Verdauungsspaziergang, bei dem ein Sack und ein Messer zum Rerl-Stechen nicht fehlen durften, die nächste Schüssel Salat zubereitet. Außerdem war es die perfekte Gelegenheit, um die von der Osterjause übriggebliebenen gekochten Eier in einer anderen herrlichen Kombination zu verspeisen. Für die Pflanzenkundigen oder Abenteuerlustigen unter euch gibt es natürlich noch zig weitere essbare Frühlingspflanzen, die man in den Salat mischen kann. Zwei weitere leicht zu findende und erkennende erwähnen wir ebenfalls.

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Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist auch ohne seine typische gelbe Blüte sehr leicht zu erkennen und wächst auf fast jeder Wiese. Man sollte darauf achten nicht direkt an stark befahrenen Straßen oder auf frisch gedüngten Wiesen zu sammeln. Die Blätter des Löwenzahns sind länglich und gezähnt, dunkelgrün bis leicht bräunlich und können im Aussehen etwas variieren. Verwechselt werden können sie mit zwei ebenfalls Löwenzahn genannten Korbblütlern dem Leontodon sowie dem Gewöhnliche Ferkelkraut (beide auch genießbar), die jedoch keinen hohlen Stängel besitzen. Dieser hohle rohrförmige Stängel hat dem Löwenzahn wohl auch unseren volkstümlichen Namen Rerl (Röhrl) gegeben.

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„Rerl stechen“

Die Spermidin-reiche Zutat bei diesem Gericht sind auf alle Fälle die Kartoffel und es ist anzunehmen, dass auch im Löwenzahn Spermidin enthalten ist, da auch in anderen bisher getesteten Blattsalaten und Kräutern reichlich Spermidin gemessen wurde.

Der Einsatz des Löwenzahns als Heilpflanze hat bereits eine lange Tradition in der Volksheilkunde und Homöopathie. Verwendet werden Wurzeln, Blätter und Blüten. Mehrere wissenschaftliche Studien konnten einige verschiedene Wirkungen belegen. Hierbei hervorzuheben sind die stoffwechselfördernde, harntreibende1, entzündungshemmende und antioxidative2 Wirkung. Außerdem konnte eine wachstumshemmende und Apoptose fördernde Wirkung auf bestimmte Krebszellen nachgewiesen werden 3.

Wichtige hervorzuhebende Inhaltsstoffe sind Bitterstoffe, Vitamine (v.a. A, E, C), Mineralstoffe (Eisen, Calcium, Magnesium, Kalium), Triterpenoide und Inulin.


Rezept für 2 Personen (als Beilage für 4 Personen):

Für unseren Salat verwenden wir die Löwenzahnblätter, die Blütenknospen und ein bisschen von den Wurzeln. Wenn wir den Rerl stechen, versuchen wir, die ganze Blattrosette mit einem Wurzelanteil auszustechen. Am besten schmecken uns noch kleine, stark gezackte, etwas krause Blätter, die sehr dunkelgrün bis bräunlich aussehen. Dann kommt der längste Teil der Arbeit: waschen und putzen. Am leichtesten geht es, wenn ein kleiner Wurzelteil dabeibleibt, und die Blätter nicht alle einzeln zu waschen sind. Die Wurzel schabt man einfach ein bisschen ab. Dann lässt man die Blätter etwas abtropfen. Zuletzt schneiden wir die Blätter in ca. 2 -3 cm oder noch größere Stücke. Man kann die Blätter auch ganz lassen – uns schmecken sie geschnitten besser. Wer noch andere passende Wildkräuter gefunden hat, gibt diese zum Salat dazu.

Die Kartoffeln in der Schale frisch kochen, schälen und in dünne Scheiben schneiden. Für die Marinade verwenden wir fein gehackten Knoblauch, ca. 2 in feine Scheiben geschnittene Löwenzahnwurzeln, Apfelessig, etwas Balsamicoessig, Öl, und Salz. Die Marinade mit den Kartoffeln mischen und etwas durchziehen lassen. Vor dem Servieren dann noch einmal abschmecken, da die Kartoffeln die flüssigen Zutaten und Salz schnell aufnehmen. Die geschnittenen Blätter und Knospen unterrühren. Angerichtet wird der Salat bei uns mit einem in Spalten geschnittenen Ei und mit Gänseblümchen verziert. Dazu passt gut frisches Brot.

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Varianten: Man kann den Salat mit Kernöl und Spermidin-reichen Kürbiskernen am Teller garnieren. Köstlich schmeckt es auch, wenn man etwas Spermidin-reichen Parmesan in Blättchen darüber hobelt. Unsere Tante Traudi zum Beispiel liebt den Salat mit kleinen geröstete Speckstreifen.

Gänseblümchen (Bellis perennis): Die Blütenköpfe sind eine hübsche Verzierung für jeden Salat und haben eine stoffwechselanregende und schleimlösende Wirkung. Sehr zu unserer Erheiterung wird im Volksglauben überliefert, dass wer die ersten drei gefundenen Gänseblümchenblüten im Jahr isst, das ganze Jahr über fieberfrei bleibt. Nächstes Jahr schicken wir unsere Kinder sicher im Jänner schon auf Gänseblümchen-Suche.

Vogelmiere (Stellaria media): Wächst gerne teppichartig auf brachliegender Erde, also auch im Gemüsebeet, und wird meist als lästiges Unkraut gesehen. Die Blätter sind klein, oval und spitz zulaufend, die Blüten wie kleine, weiße Sterne. Verwendet werden Blätter mit Stängel und Blüten. Ihr Geschmack erinnert an jungen, rohen Mais. Vogelmiere ist sehr reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Sie hat eine stoffwechselanregende, schleimlösende und kräftigende Wirkung.3 kräuter

Links:Löwenzahn. Mitte:Gänseblümchen. Rechts: Vogelmiere


1 Clare et al. The diuretic effect in human subjects of an extract of Taraxacum officinale folium over a single day. J Altern Complement Med. 2009.

2 González-Castejón et al. Diverse biological activities of dandelion. Nutr Rev. 2012

3  S. C. Sigstedt et al.: Evaluation of aqueous extracts of Taraxacum officinale on growth and invasion of breast and prostate cancer cells. In: International Journal of Oncology.


Zutaten:

Ca. 200 g Löwenzahn (zwei große Hand voll)

500 g Kartoffeln (am besten festkochende/speckige)

1 große Knoblauchzehe

Essig (Apfelessig und Balsamico nach Geschmack)

Öl

Salz

Optional: 10 Gänseblümchen Blütenköpfe zum Verzieren, etwas Vogelmiere, Kernöl, Kürbiskerne, Parmesan oder knusprig gebratene feine Speckstreifen

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